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Warum ich Engel male

 
Oft werde ich gefragt, ob ich besondere Erlebnisse hatte, die mich dazu bewogen haben, mit so großer Begeisterung Engel zu malen und ob ich glaube, dass es Engel wirklich gibt.
Jedes Mal antworte ich, dass Engel für mich Realität sind und dass ich tatsächlich Erfahrungen gemacht habe, die mich dazu motivieren, sie zu malen. Ich habe in den letzten 30 Jahren einige metaphysische (übersinnliche) Erfahrungen gemacht und eine davon hat mein Leben auf besonders tiefgreifende Weise beeinflusst.
 
Seit dem Unfall meines Kindes im Jahr 1997 weiß ich, dass Engel wirklich existieren! Als mein Sohn acht Jahre alt war, wäre er beinahe gestorben. Er wurde beim Spielen an einem Bach von zwei großen Hunden (Rottweilern) angefallen, die außer Kontrolle geraten waren. Ein älterer Mann griff in letzter Sekunde ein und rettete meinem Jungen das Leben. Ich wurde zum blutigen Unfallort geholt, an dem sich bereits eine aufgeregte Menschenmenge angesammelt hatte. Als ich dort ankam und mein Kind verletzt, in der Wiese liegend, vorfand, sank ich entsetzt neben ihm zu Boden und betete.
 
Plötzlich wurde ich mir einer mächtigen Präsenz bewusst. Mit offenen Augen sah ich eine halbdurchsichtige Gestalt, die ganz in der Nähe stand. Sie war groß, männlich, hatte schulterlanges Haar und war mit einem hellen Gewand bekleidet. Ich empfand Berührung tief in meinem Inneren, die ich kaum beschreiben kann. Eine zeitlang dachte ich nichts mehr, wollte ich nichts mehr, war ich einfach nur in einem seltsamen Zustand. Es war so, als würde ich gleichzeitig in zwei Welten sehen. Die wunderschöne Wesenheit war einige Zeit für mich sichtbar, danach konnte ich sie zwar äußerlich nicht mehr sehen, jedoch innerlich. Und diese innere Sicht ist mir seither geblieben. Die kraftvolle Anwesenheit des Engels blieb noch eine Weile lang und er sprach auch zu mir...
Erst Tage später wurde mir richtig klar, was da eigentlich Wundervolles geschehen war, dass da ein Engel mein Kind gestärkt hat, die Tiere besänftigt, dem Lebensretter Kraft übertragen und mir – der Mutter – Zuversicht gegeben hat, die ich auch in den nachfolgenden Jahren der Heilung brauchte – Jahre voller kleiner und großer Wunder. Ich fühlte mich trotz Sorgen und Belastungen geborgen und getragen.
 
Mein Sohn sah den Engel ebenfalls. Er erzählte mir einige Tage später im Krankenhaus, dass er einem Engel glich, den ich einmal gemalt hatte. Er erklärte mir auch, dass er von oben alles gesehen habe - seinen verletzten Körper und seinen Freund, der sich auf einen Baum retten konnte - einfach alles.
Menschen, die Nahtod-Erlebnisse hatten, erzählen, dass sie über dem Ort schwebten, ihren bewusstlosen Körper sahen und auch sonst alles sehen und hören konnten, was vor sich ging. Manche Menschen berichten auch von Lichtgestalten, denen sie in ihrem körperlosen Zustand begegnet sind. Und dieser kleine Achtjährige sah eine solche Lichtgestalt, die die ganze Zeit über bei ihm war.
Ich habe meinem Sohn geglaubt, denn ich habe den Engel ja ebenfalls gesehen! Auch der Lebensretter meines Sohnes erzählte uns, dass er am Unfallort eine unerklärliche, große Kraft gespürt hat, die plötzlich über ihn kam, sodass er mutig und besonnen eingreifen und die Hunde von dem Kind wegholen konnte, ohne dabei selbst in Gefahr zu geraten.
 
 
Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass eine solche Angelegenheit für viele von uns einfach unvorstellbar und wirklich schwer zu glauben ist. Doch ich habe sie nunmal erlebt. Und ich bin mir absolut sicher, dass es keine Einbildung war. Wenn man sein kleines Kind schwer verletzt vor sich liegen sieht, dann hat man nicht den Wunsch zu phantasieren oder sich weg zu träumen! Man will - im Gegenteil - ganz präsent sein, ihm helfen, es trösten, ihm nah sein und es ganz fest im Arm halten.
Man ist sehr offen für das, was wirklich da ist und auch für das, was normalerweise unsichtbar ist. Schockierende Ereignisse können uns spontan für das Metaphysische öffnen, sodass wir über uns hinauswachsen können. Das hat die Natur sehr klug eingerichtet.
Seit dem Unfall meines Kindes, den Klinikaufenthalten, den Operationen und den nachfolgenden Jahren der Genesung erforsche ich mit anderen Menschen zusammen die metaphysischen Wahrnehmungsmöglichkeiten der Engel. Engel sind ein wichtiges Thema in meinem Leben und in meiner Kunst geworden und ich male sie mit größter Liebe und Dankbarkeit aus meinem tiefsten Inneren heraus. Und so wurde ich im Laufe der Zeit 'die Engelmalerin'.
 
Als Engelmalerin habe mich dafür entschieden, offen über meine Erlebnisse zu sprechen und meinen Standpunkt zu zeigen, nicht zuletzt in meinen Gemälden. Ich kann gar nicht anders, weil es meine Leidenschaft ist, Engel zu malen, sie auf meine Art sichtbar zu machen und auch weil ich durch das Malen das Erlebnis verarbeiten kann. Sie wissen ja bestimmt, dass wir Künstler das ausdrücken, was in uns ist und was uns bewegt und beschäftigt. Wir zeigen den Betrachtern und Interessenten unserer Kunstwerke offen unsere Leidenschaften und somit unser nacktes Inneres. Würde ich mich damit zurückhalten, nur weil es Menschen gibt, die den 'Engel-Kult' belächeln, verlöre ich meine schöpferische Kraft und meine Inspiration.
 
 
Wollen Sie wissen, was mir immer wieder Mut macht, mich frei zu fühlen und so offen zu sein? Das ist ganz einfach. Inzwischen habe ich viele Menschen kennengelernt, die Ähnliches erlebt haben. Den meisten fällt es leider schwer, öffentlich darüber zu reden, weil sie befürchten, deswegen ausgelacht zu werden, ihre Familie, ihren Arbeitsplatz und das Ansehen in ihren Gemeinden zu verlieren. Und das sind berechtigte Gründe.
Inzwischen weiß ich, dass es nicht nur ein paar wenige Menschen sind, die übersinnliche Erfahrungen gemacht haben und denen Engel begegnet sind, sondern dass es viele sind und dass es immer mehr werden. Und keiner bildet sich da etwas ein oder plant solche Erlebnisse. Sie kommen einfach und dies oftmals in der Not.
 
Ich versichere Ihnen, dass Sie sehr erstaunt wären, wievielen, noch schweigenden Menschen ein Engel begegnet ist und wer diese Menschen sind. Darunter gibt es auch Menschen, von denen man soetwas gar nicht erwartet. Vielleicht ist ja auch Ihre eigene Großmutter darunter, ihr Onkel, ihre kleine Lieblingsenkelin, die hilfsbereite Nachbarin gegenüber, die nette Verkäuferin vom Supermarkt, ihr Postbote oder sogar ihr autoritärer Chef....? 
Glauben Sie mir, was ich erlebt habe, haben schon viele vor mir erlebt und es werden noch mehr in Zukunft sein. Warum? Ganz einfach, weil sich die Zeiten ändern und die Leute empfindsamer werden. Eines Tages können wir hoffentlich alle ganz zwanglos über solche wundersamen Dinge reden, denn sie gehören nunmal auch zum Leben.
 
 
Herzensgrüsse von Brigitte-Devaia Jost
 
Brigitte Devaia 2016
 
 
 

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